Mittwoch, 7. September 2011

Geplanter Kaiserschnitt aus der Sicht des Babys

Das Baby spürt im Vorfeld die Spannung der Mutter: Ihre Nervosität, ihre Unruhe. Oft ist die Mama dadurch nicht mehr präsent beim Baby. In dieser unruhigen Zeit wäre es aber sehr wichtig, auch mit dem Baby in Kontakt zu treten mit ihm zu sprechen und zu erklären, was bald geschehen wird.

Für den Tag des Eingriffes muss die Mama nüchtern sein. Aus Erfahrungen bei Ultraschall-Test reagiert das Baby oft auf wenig essen der Mutter, mit einem verminderten Herzschlag. Dies könnte vor dem Kaiserschnitt auch möglich sein.

Die Mutter bekommt in kurzer Zeit einige Infusionen damit der Blutdruck stabil bleibt wenn die Anästhesie wirkt. Dadurch sinkt die Körpertemperatur ein bisschen, was wiederum das Baby zu spüren bekommt.

Die Anästhesie (Spinal-Anästhesie) die bei der Mama die Wirkung hat, dass sie die Beine nicht mehr spürt und bewegen kann, löst im Umfeld des Babys eine extremer Tonus-Schwäche aus. Das heisst, dass die Bauchdecke sich weicher anfühlt. Vielleicht ähnlich wie in einem toten Körper. Meistens denkt die Mama die jetzt von Aerzten (Anesthesie und auch den Gynäkologen) umringt ist und dies der Moment kurz vor dem Schnitt ist, nicht an das Baby.  Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass in diesem Moment die Aerzte in der Präsenz beim Baby sind. Vielmehr sind sie mit dem Eingriff selber beschäftigt.

Als Hebamme ist man in diesem Moment auch im Operationssaal anwesend. Wir haben die Aufgabe, das Baby mit einem warmen sterilen Tuch von den Operateuren in Empfang zu nehmen.

Dem Baby im Bauch könnte in diesem Moment geholfen werden, durch die Präsenz der Mama oder dem Vater der oft während der Operation neben der Mutter sitzt. Ich sage den Eltern, dass sie dem Baby zukommen lassen sollen, in diesem Moment auf die Herztöne und die Atmung zu hören, damit es weiss, dass alles in Ordnung ist.

Vom Schnitt bis zur Geburt des Babys geht es sehr sehr schnell. Manche Operateure brauchen nur einige Minuten.

Für das Baby passiert innert kurzer Zeit folgendes:
- es gibt einen Druckabfall wenn die Fruchtblase angestochen wird
- das umgebende Wasser schwemmt fort
- Hände greiffen von Unten nach ihm
- es wird von Aussen nach unten gedrückt und es wird an ihm gezerrt

Oft ist ein Löffel (Teil der Zange) nötig, um dem Baby den Ausstieg durch die schmale Oeffnung zu ermöglichen.

Dann landet es im warmen Tuch, die Hebamme nimmt es in Empfang und bringt es meist gleich zum Kinderarzt der oft im gleichen Raum oder im angrenzenden Raum anwesend ist. Es erfolgen die gewohnten Tests nach der Geburt, es wird von allen Seiten angeschaut, wird abgesaugt, getrocknet und einige Reflexe werden getestet. Geht es dem Baby gut, kann es zur Mama in den Operationssaal gebracht werden. Die wird nun aber zugenäht und sollte eher ruhig sein und nicht zu aufgeregt damit die Aerzte nicht gestört werden in der (vielleicht) anspruchvollsten Phase der Geburt um eine schöne Naht machen zu können.

Nun wäre die Präsenz des Vaters am meisten gefragt der beim Baby (und seiner Frau?) sitzen könnte und Ruhe und Sicherheit geben kann. Oft wird der Papa ins Geburtszimmer gebracht wo er und das Neugeborene auf die Mama warten die noch im OP versorgt wird.

All dies erzähle ich auch im Vorfeld den werdenden Eltern und dem Baby im Bauch. Sicher ist dies nicht nur für sie sondern auch für das Baby eine Vorbereitung. Selbst wenn die gewünschte Präsenz unter der Geburt nicht da sein kann, genügt ein kleiner Moment, ein kleiner Gedanke, den das Baby empfangen kann für seinen "künstlichen" Weg aus dem Körper der Mama.

Kommentare:

  1. Ich hatte einen geplanten Kaiserschnitt mit meinen Zwillingen (wegen BEL und QL) und es ganz anders als hier geschildert. Erst wurde mein Sohn geholt und gleich zu mir gebracht und kurz auf mir abgelegt, ich konnte ihn berühren, dabei wurde er abgesaugt, dann war er ganz kurz zur Untersuchung und wurde dann meinen Mann in den Arm gelegt, der direkt neben mir sass, so dass ich meinen Sohn die Hand an die Wange legen konnte. Das Mädchen habe ich auch gleich begrüßen können (sie lächelte) und nach der Untersuchung wurde sie mir auf die Brust gelegt, Dort lag sie während des gesamten Nähens, dann wurde ich in den Kreissaal gegenüber gefahren und konnte die Kinder dort sofort anlegen. Die Kinder waren nicht gewaschen, ich konnte sie gleich so an meine Haut legen. Ich habe das als sehr schön und intensiv empfunden. Da ich bei meiner älteren Tochter eine natürliche Geburt hatte und insofern diese Erfahrungen direkt vergleichen kann, muss ich sagen, letztlich habe ich diese auch nicht intensiver und näher bei mir gehabt nach der Geburt. Auch diese Tochter (ihr ging es leider schlechter als den Zwillingen) musste abgesaugt und untersucht werden und wurde deshalb kurz von mir weggenommen, das war nicht nur beim Kaiserschnitt so. und das Nähen nach der natürliche Geburt hat viel länger gedauert als die Kaiserschnittnaht (Dammriss Grad 4), das hat mich viel mehr daran gehindert, mit meinen Kind zusammenzusein, als das echt schnell und unproblematische Nähen nach dem Kaiserschnitt. Auch war diese erste Geburt - obwohl ja die angeblich "gute" weil natürliche Geburt - sehr traumatisch wegen suboptimaler Hebammenbegleitung: ich wurde von der Beleg-Hebammne angebrüllt und während eines Geburtsstillstands aufgrund eines hohen Geradstandes während des daraus resultierenden Wehensturmes eine halbe Stunde alleine gelassen - nur der Oberärztin, die schließlich, nachdem mein Mann auf dem Gang in seiner Angst um Hilfe schrie, nachdem ich halb wahnsinnig vor Schmerz war und mir den Kopf aufgeschlagen hatte - endlich eingriff, und ihrem guten Geburtsmanagements ist es zu verdanken, dass ich das Kind doch noch vaginal und gesund zur Welt bringen konnte. ich habe nach dieser Geburt viel mehr Probleme mit der Bindung und dem stillen gehabt als nach dem Kaiserschnitt der Zwillinge. denn da hatte ich ein tolles, aufmerksames OP-Team an der Seite, das mich ernstnahm und sich um mich kümmerte und so konnte ich mich voll auf meine Kinder konzentrieren - eine viel bessere Erfahrung als die überforderte, ideologisch festgefahrene Hebamme bei der ersten Geburt, die eine hohen Geradstand nicht erkennen konnte und glaubte, ich würde mich nicht richtig einlassen..
    Ich werde den Kaiserschnitt immer als eine schöne Geburt in Erinnerung mit sehr inniger Bindungserfahrung in Erinnerung behalten und finde es schade, wenn er immer so dämonisiert wird. Für mich war die vaginale Geburt und die Hebammenbetreuung dort die viel schlimmere, unwürdigere Erfahrung, die ich mir echt gerne erspart hätte.

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    1. Das freut mich sehr, dass diese Bindung gleich nach der Geburt ermöglicht wurde. Es ist schön, eine solche positive Erfahrung lesen zu dürfen. Vielen vielen Dank

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