Mittwoch, 6. Oktober 2010

Verantwortung

Wenn sich ein Paar entschliesst im Spital zu gebären, wenn eine Hebamme daheim involviert ist, tragen diese die Verantwortung über die Geburt. Das heisst, dass die Gebärende sich in die Hand dieser Institution oder Person begibt.

Durch Erfahrungen wird die Hebamme, der Arzt geprägt. Weil das unser Beruf ist, haben wir sehr viel Erfahrung. Leider nicht nur Positive: sei dies nun ein grösserer Blutverlust, das Mami das an seine Grenzen kommt, ein hoher Blutverlust, ein Baby das Adaptations-Schwierigkeiten hat oder das vor- oder während der Geburt stirbt.

Nebst der Frage: wen trifft die Schuld. Sind das extrem prägende Eindrücke. Diese können nicht einfach weggeschoben werden, die trägt man mit sich.

Selbst bei der nächsten Geburt ist es schwierig, wieder unberührt und frei einzusteigen. Obwohl die Gebärende, ihr Partner und das Baby das verdient hätten.

Es gibt Zeiten wo alles perfekt läuft und dann gleich zwei intensivere Betreuungen zusammen fallen. Das macht vorsichtig und - ob man will oder nicht - greift man beim zweiten Mal schneller ein (mit Chemie, mit Verlegung, mit Operation) aus Angst, es könnte wieder zu Schwierigkeiten kommen.

Professionalität gibt Sicherheit, kann aber auch zu Verunsicherung führen. Ich kann hier keine Lösung anbieten ausser vielleicht die Gebärenden so vorzubereiten, dass sie in ihren eigenen Gefühlen bestärkt sind, damit sie unter der Geburt dominieren.






Dienstag, 5. Oktober 2010

Entzündete Augen

Sehr schnell bekommt ein Neugeborenes entzündete Augen. Einmal Durchzug und die Augen haben einen weissen oder gelblichen Ausfluss. Es macht nichts wenn das Baby in einem Raum ist mit offenem Fenster, Durchzug sollte aber vermieden werden. Es kommt nicht von ungefähr, dass viele Babybettchen einen Schleier haben. Das sieht nicht nur schön aus, es schützt auch vor Durchzug. Oft kommen die Babys bereits aus dem Spital mit einer Augenentzündung.

Das allerbeste ist, die Augen mit Muttermilch auszuwaschen. Dazu nimmt man ein Wattepad der in Muttermilch getaucht wird und dann werden die Augen von Aussen nach innen zur Nasenwurzel mit dem nicht all zu nassen Pad gerieben, so dass um das Auge die Verklebung weg geht. Manchmal lasse ich den Pad auch einen Augenblick einwirken, bevor ich wegwische. Das mache ich bei beiden Augen sofern beide betroffen sind.

Danach nehme ich einen Tropfen Muttermilch und gebe ihn ins Auge. Das Eiweiss in der Milch hilft die Unreinheiten zu binden und die Antikörper von Mami helfen zur Heilung.

Es gibt Frauen die können einfach ins Auge von Baby ihre Milch spritzen. Ich nehme eine 2 ml Spritze ziehe damit ein bisschen Muttermilch das in einem Glas augefangen wurde auf und gebe dann einen Tropfen ins Auge. Auch mit einem kleinen Löffel ist das möglich. Ist der Tropfen nicht ganz im Auge kann man mit Lagewechsel von Baby den Tropfen zum Auge fliessen lassen.

Von der NaCl-Lösung die es in Mono-Dosen gibt, nehme ich manchmal eine leere Hülle drücke diese zusammen und ziehe damit die Muttermilch auf. So lässt sich unproblematisch ein Tropfen ins Auge zu geben.

Die Hygiene ist natürlich ganz wichtig, deshalb sollte mit sauberen Händen und Materialien gearbeitet werden. Eine Spritze kann man auskochen oder wenigstens gut auswaschen und dann einmal Alkohol aufziehen und mit sauberem Wasser nachspülen. Einmal aufgezogene Muttermilch kann ohne Kühlschrank während sechs Stunden benützt werden danach sollte sie ausgewechselt werden.

Einmal konnte ich die Wirkung der Muttermilch an einer Frau sehen. Sie kam mit ganz zugeschwollenen Augen, die sie kaum offen halten konnte, vom Spital heim. Es war gar nicht möglich, da einen Tropfen Muttermilch reinzugeben da sie so extrem geschwollen waren (die Frau sah Zombie-Mässig aus). Ich habe der Frau einfach zwei, mit Muttermilch getränkte, sehr nasse Pads auf die Augen gelegt. Fünf Minuten später konnte man zuschauen wie die Schwellung abnahm. Danach habe ich ihr auch noch einen Tropfen ins Auge gegeben. Dies hat sie mehrere Male am Tag wiederholt. In drei Tagen war die Entzündung weg.

Wird eine Entzündung auch nach drei Tagen nicht besser, sollte unbedingt der Arzt konsultiert werden. Bei manchen Neugeborenen ist eine Tränendrüse zu eng. Da braucht es Geduld bis diese durch das Wachstum grösser wird - manchmal bis zu drei Jahren. Die Diagnose wird durch den Arzt gestellt.

Montag, 4. Oktober 2010

Spital/Hebamme-Compatibel

In den Tagen im Spital sieht jeder Tag anders aus. Anfangs sind die Geburtsverletztungen (Uterus, Dammschnitt, Sectionaht) nebst dem Baby und den Glücksgefühlen im Vordergrund. Bald ist es das Stillen mit der Position und das Andocken des Babys angesagt. Die Brüste verändern sich täglich oder sogar Stündlich bis am dritten Tag der Milcheinschuss kommt. So ist es nicht verwunderlich, wenn jede Pflegefrau etwas anderes erzählt.

Kommen nun Mami und Baby heim, gibt es wieder einen anderen Verlauf. Daheim wenn die Mama von einer Hebamme betreut wird, muss man wieder neu die Grenzen und die Möglichkeiten austesten. Vielleicht ist das Baby ruhiger oder schreit mehr. Es kann sein, dass die Brüste, die im Spital noch stimuliert werden mussten jetzt zu einer Ueberproduktion neigen. Deshalb rät die Hebamme natürlich genau das Gegenteil, was sie im Spital vorgeschlagen haben. Da ist Erklären und Vertrauen sehr wichtig.

Es ist natürlich nicht immer leicht, wenn ich als Hebamme das erste Mal eine Frau nach dem Spitalaustritt sehe und gleich alles neu bestimme. Wichtig finde ich, die Frauen mit ihren Beobachtungen miteinzubeziehen: ihre Befindlichkeit und ihren Eindruck erfrage, dann sieht sie, dass das Baby jetzt mehr schluckt oder die Waage mehr Gewicht anzeigt, die schöne Narbe jetzt entzündet ist, das Baby doch mehr trinken muss etc.

Das Leben mit Baby ist abwechslungsreich und spannend.


Sonntag, 3. Oktober 2010

Hämorrhoiden

Diese können bereits in der Schwangerschaft entstehen, wenn das Baby viel Druck auf den Unterleib ausübt.

Oft entstehen diese unerwünschten und schmerzhaften Adern die sich um den Anus ausstülpen unter der Geburt. Das Baby kann nicht zielgerade durchs Becken zur Scheide rauskommen. Es muss - ähnlich wie ein Lastwagen wenn er eine Kurve fährt - ausholen Richtung Steissbein und Anus, bevor der Kopf des Babys nach vorne bei der Vagina rauskommt. Das ist auch der Grund wieso viele Frauen die von der Geburt überrascht werden, auf die Toilette gehen. Sie rechnen nicht mit dem Baby sondern mit etwas Hartem. Ist die letzte Phase der Geburt verlangsamt oder das Mami wird lange angehalten zu pressen, können Hämorrhoiden entstehen.

Aerzte verschreiben verschiedene Salben und Zäpfchen. Guten Erfolg habe ich mit rohen Kartoffeln gemacht. Frisch aus dem Kühlschrank mit einer Raffel gerieben, auf eine Gaze geben und auf die betroffene Stelle. Am besten über Nacht drauf lassen, am Morgen sind die Hämorrhoiden deutlich abgeschwollen. Das kann mehrmals wiederholt werden.

Samstag, 2. Oktober 2010

Storchenbiss

Storchenbiss nennt man die Geburtsmale die die Babys auf der Stirne, meistens zwischen den Augenbrauen und im Nacken haben.

Dieser Storchenbiss ist eigentlich eine Druckstelle die bei der Geburt oder bereits in der Schwangerschaft entstehen kann. Diese Stellen sind in einem dunkeln Rotton und heben sich sehr stark von der Umgebung ab. Wenn das Baby schreit verstärkt sich dieses Geburtsmal. Es sieht ein bisschen wie ein Feuermal aus.

Mit der Zeit verschwinden diese Male ganz von selbst. Manchmal sieht man sie aber noch im Kindergarten, wenn sich ein Kind echauffiert.

Ich habe einen Geburtstrauma-Kurs gemacht wo man die eigene Geburt wieder erlebt. Da sind bei einigen Teilnehmer/Innen wieder diese Geburtsmale aufgetreten.

Kürzlich hat mich ein Vater gefragt, was man unterstützendes geben kann damit das Mal verschwindet. Ehrlich gesagt habe ich mir noch nie Gedanken darüber gemacht, es ist etwas ganz natürliches. Arnica-Globuli in einer D Potenz, oder Arnica-Salbe, Rescue-Salbe von Dr. Bach wären aber bestimmt nicht falsch,

Freitag, 1. Oktober 2010

Neuorientierung im Job nach der Geburt

Ich finde es als Privileg, wenn eine Frau nicht gleich nach der Geburt an den Job denken muss. Wenn sie Zeit und Musse hat sich dem neuen Leben voll zu widmen ohne Zeitplan. Dann können plötzlich neue Ideen entstehen. Rund ums Baby entsteht Kreativität. So habe ich einige Frauen kennengelernt die sich nach der Geburt ganz anders orientiert haben. Die eine Spielgruppe gegründeten , die einen Laden eröffnet haben und solche die sich in einem Gemeinschaftszentrum stark gemacht haben usw.

Ich habe diese Babypause als Knick erlebt. Werte die mir vorher wichtig waren haben sich als unnötig erwiesen und anderes hat an Gewicht gewonnen. So war mir die Zeit mit meiner Tochter viel wichtiger wie eine Karriere und Geld. Lieber habe ich in einem Büro gearbeitet mit tollen Arbeitszeiten wie als Hebamme, in einem Spital. Beim zweiten Kind, hatte ich dann auch den Mut als selbständige Hebamme tätig zu sein wo ich das Pensum selber bestimmen konnte.

Ich wünsche mir für alle Mütter, dass sie sich Zeit nehmen können nach der Geburt ihre Bedürfnisse neu zu überdenken und dann auch verwirklichen können.

Ich denke, auch den Männern würde dies gut tun. Eine Auszeit: wieso nicht ein ganzes Jahr weg vom bekannten Beruf und einfach nur Jobs annehmen die Freude machen. Ich weiss, die Existenzangst ist da, trotzdem. Ein Baby wächst so schnell, da sollte man keinen Augenblick verpassen.

Frauengeburt

Gerade in den letzten Tagen habe ich Frauen getroffen, bei denen die Geburt nicht ganz so verlief, wie sie es sich vorgestellt haben. Natürlich, kann ich überhaupt kein Urteil darüber fällen: es musste so sein wie es war.

Aber manchmal mache ich mir Gedanken: Wie wäre es wenn nur Frauen, die bereits geboren haben, die Geburt begleiten würden. Wenn diese Frauen Mut machen würden und nur im Positiven unterstützen würden. Helfen, dass die Gebärende nur bei sich sein kann. Auf Gefühle vertrauen und nicht auf Maschinen. Die Zeit ausser acht lassen und sich nur auf die Energie die da ist beschränken. Geschehen lassen was kommen will.

Ich habe von einer Geburt gehört wo Zwillinge vier Stunden nacheinander geboren wurden, von einer Placenta die erst nach fünf Stunden gekommen ist (normal sind 20 Minuten). Von einer Nabelschnur die mehr wie zwei Stunden pulsiert hat weil das Baby anfangs Mühe hatte (normal sind 20 Minuten).

Natürlich gibt es darüber keine Stundien, denn da wo die Liebe fliesst wird keine Statistik geführt.