Sonntag, 29. August 2010

Ernstnehmen der Kinder

Bereits im Mutterleib wird mit dem Baby im Bauch Kontakt aufgenommen. Das zeige ich den Eltern in der Haptonomie.

Klar dass ein Baby (Kind) auch weiterhin als Persönlichkeit angeschaut wird. Mir stösst es sauer auf, wenn ich Eltern im Tram oder beim Einkaufen beobachte mit zwei oder drei jährigen Knirpsen:

"Linus, willst du jetzt hier aussteigen oder noch weiterfahren bis zum Botanischen Garten. Schau, die Leute sind alle schon draussen. Möchtest du lieber noch weiter fahren bis die Bahn wieder wendet?".

Oder beim Bäcker: "Ein Kilo Brot und was möchtest du Amelie?? Schau es gibt da Lokomotiv-Brötli, das ist ein Weggli das dir vor drei Wochen die Omi mitgebracht hat - oder lieber ein Pain au Chocolat, das hat die Mami immer gegessen als sie in Paris war - oder möchtest du lieber ein Weggli, weisst du das, was es beim anderen Beck am Markt immer gratis dazugibt."

"Lieber Nathan ich muss jetzt bei dir die Windeln wechseln, weil du Kacka gemacht hast, ich drehe dich jetzt auf den Rücken, ich öffne jetzt den obersten Knopf, ich ziehe die Hose jetzt herunter und muss dich deshalb auf die Seite drehen und jetzt auf die andere Seite, so und jetzt öffne ich die Windeln ..."

"Delicia magst du diesen Rock mit den Rosen, der dir ein bisschen zu kurz ist oder möchtest du den grünen mit den Streifen oder sollen wir die Verkäuferin fragen ob sie im Schaufenster das Kleid holen gehen soll, das es in der Abteilung nicht mehr gibt in deiner Grösse?"

So ist es nicht verwunderlich, dass ich um einen Termin verschieben zu können zuerst eine Viertelstunde mit dem Knirps verhandeln muss:

"Wer bist du? ... Ich habe deinen Namen nicht verstanden ... Was willst du? ... Was ist das eine Hebamme? .. Weshalb machst du das? ... Wieso musst du mit meinem Mami sprechen..... Nein, ich gebe dir das Mami nicht ans Telefon ....... ich will nicht". Der Telefonhörer wird aufgelegt.

Mein Bild vom Elternsein ist auch Führung und Bestimmen. Wenn ich mich zum Sklaven meiner Kinder mache, schwindet bei ihnen die Achtung und der Respekt vor mir.




Kommentare:

  1. Liebe Frau Prader,

    ich lese Ihren Blog sehr gerne und bin immer wieder berührt von Ihrer persönlichen Art zu schreiben.

    Doch heute muss ich mal entschieden prottestieren!

    Ich finde nicht, dass man sich zum Sklaven macht, wenn man einem Kind eine eigene Meinung und einen eigenen Willen zugesteht.
    Warum haben Menschen die unter einem Meter sind nicht das Recht auf einen eigenen Willen?
    Wiso haben Eltern das Recht, ihren Willen als wichtiger oder richtiger zu erachten als den ihres Kindes?
    Und wenn unsere Kinder dann erwachsen sind, sollen Sie sich auf einmal durchsetzten und behaupten können, obwohl wir ihnen 18 Jahre lang beigebracht haben, dass ihr Wille nicht zählt und weniger wichtig ist als der von anderen?
    Wie soll das gehen?

    Liebe Grüße
    Angie

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  2. Liebe Angie

    Ja da gebe ich ihnen recht so wie sie schreiben.

    Aber alles in Massen. Das Baby/Kind muss ernst genommen werden, aber auch die eigenen Bedürfnisse dürfen nicht zu kurz kommen. Beides muss stimmen. Eigentlich wollte ich mit dem Artikel ausdrücken, dass man auch ein Kind überfordern kann indem man es (zuviel) wählen lässt.

    Danke fürs Schreiben
    Beatrice

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