Dienstag, 14. Mai 2013

Älteres Kind auf Geschwisterchen vorbereiten

Sobald eine Frau merkt, dass sie schwanger ist, kann mit der zunehmenden Bauchgrösse auch die Vorbereitung anfangen. Je nach Alter des Kindes kann dies unterschiedlich ausfallen. Es kann durchaus sinnvoll sein, den Mittagsschlaf beizubehalten im Hinblick darauf, dass nachher in dieser Zeit für alle ein Schäferstündchen möglich ist. Die Selbständigkeit des Kindes kann in dieser Zeit ein bisschen gefördert werden. So helfen kleine Stufen, die das Kind selber erklimmen kann um beispielsweise alleine auf Sofa, auf den Wickeltisch etc. klettern kann. Da eine Frau nach der Geburt nicht viel tragen soll und dies fast nicht möglich ist wenn sie noch ein kleines Kind unter zwei oder fast drei Jahren hat. Es ist aber sehr viel leichter zu tragen, wenn das Kind ihr entgegenkommt. Wenn es nicht vom Boden sondern auf Stuhlhöhe aufgenommen werden kann. Wenn es bereits die Geduld hat Büchlein anzuschauen, ist es sinnvoll ein solches anzuschaffen, das ein bisschen erklärt, wie die neue Lebenssituation mit einem Geschwisterchen ist. Das Spiel "liebes Kätzchen" (liebs Büüsi) - "böse Katze" wo die Wange gestreichelt wird beim lieben Kätzen und bei der bösen Katze getätschelt, lernt das Kind seine Kräfte zu dosieren. So kann ihm erklärt werden, dass beim Baby nur "liebes Kätzchen" gemacht wird.

Das Kind weiter oben  (fast über der Schulter) tragen,  ist weniger schwer als auf der Hüfte. Auch dies kann bereits in der Schwangerschaft eingeübt werden.

In einer zweiten Schwangerschaft ist es wichtig, dem "grossen" Kind viel Lob zu schenken und es ganz leicht in eine grössere Selbständigkeit zu führen. Diese ist, wie oben beschrieben, mit dem selber Erklimmen, aber auch mit dem Geduldiger sein mit der langsamen Mama gut einübbar und kann später mit einem Geschwisterchen hilfreich sein. Selber Essen,  ein Büchlein alleine anschauen (das kann anfangs ruhig mit der Mama daneben, geschehen), selber anziehen (wenigstens einen Teil davon), für die Mama etwas machen (z.B. die Windel in den Abfalleimer schmeissen) etc. Ich bin sicher, ihnen fallen einige Beispiele ein, wie sie ihrem Kind das Gefühl geben können, dass es bereits gross ist und einige Dinge selber machen und ihnen helfen kann.

Eine kleine Vorbereitung, eine kleine Ablösung von Mutters/Vaters Kleinem, ist Hilfreich für Alle, besonders wenn plötzlich ein kleinerer Piepmatz auftaucht. Dann hat das ältere Kind seine Rolle schon ein bisschen gefunden. Es ist Mamas Hilfe geworden und nicht mehr Mamas Kleines.


Donnerstag, 4. April 2013

Störungen im Wochenbett

Viel zu öft höre ich von den Frauen - einige Tage oder Wochen nach der Geburt - dass der Arbeitgeber angerufen hat und eine Besprechung plant, oder ein wichtiges Gespräch führen möchte, das leider nicht warten kann. Dann wird von der Frau erwartet, dass sie in ihrem geschützten Mutter-Urlaub erscheint.

Aber: wie wäre das mit einem Mann, wenn der zum Beispiel im Militärdienst ist, würde von ihm verlangt werden, eine wichtige Entscheidung zu fällen um kurz an einer Besprechung teilzunehmen?

Eine Frau nach der Geburt ist von den Hormonen geschüttelt, manche weinen viel, sie sind durchlässiger und entscheiden mit dem Herzen und nicht mit dem Kopf. Die Frauen sind in einem total anderen Leben an das sie sich meist noch nicht adaptiert haben. Oft haben sie ungenügend Schlaf (Amnesty-International nennt das schlimmste Foltermethoden, wenn ein Gefangener alle zwei bis drei Stunden geweckt wird.) Weder ein Rhythmus noch eine Planung sind möglich. Die Frauen sind unförmig, oft sieht der Bauch noch so aus wie in der Schwangerschaft die Brüste sind prall, voll und schmerzen. Manche fühlen sich alles andere als vorzeigbar für den Beruf.

Von so einer Frau wird erwartet, dass sie am Meeting erscheint. Was ist wenn dann noch eine zusätzliche Frage auftaucht die einige Tage später noch einer Klärung bedarf, was wenn die Frau dann immer noch in ihrem gesetzlichen Urlaub ist und immer noch unter Müdigkeit leidet?

Solche Meetings sind verboten und auch bei kleinen Fragen ist eine Frau   n i c h t   in der Lage professionell zu antworten weil sie gerade ausserhalb aller Welten existiert, nämlich im Bindungaufbauen mit ihrem Baby und dies klappt nur wenn die nötige Ruhe da ist.

Freitag, 29. März 2013

Gross-Spital gegen Kleinspital

Grosse Häuser sind oft Ausbildungszentren für Aerzte und Pflegepersonal. Somit sind sie auf dem aller neusten Stand. Das heisst, sie haben die neusten Einrichtungen, Maschinen und auch in der Forschung sind sie führend. Regeln werden streng eingehalten, es herrscht eine Hierarchie vom Unterassistenz-Arzt bis zum Chefarzt, von der Hebammenschülerin bis zur diplomierten Hebamme. Jeder und Jede fällt sein Urteil und der höchste hat das Sagen. Als allgemein Versicherte kommt man in den Genuss all dieser Personen wenn die Geburt nicht Normgerecht verläuft und es zu Komplikationen kommt.

Im kleinen Spital steht und läuft es mit der jeweiligen Leitung und mit den Personen die da arbeiten. Da  Regeln für viel weniger Personen gemacht sind, ist Individualität mehr möglich, dies auf der Seite von den Pflegenden wie auch bei den Gebärenden oder Wöchnerinnen. Selbst beim Essen ist eine höhere Qualität möglich, da das verteilen des Essens schneller vonstatten geht. Im kleinen Haus gibt es oft nicht alle Möglichkeiten der Pflege. Vielleicht ist die Neonatologie nicht vorhanden, Fachärzte sind nur beschränkt da oder auf Pikett in der Nacht. Dafür ist man nicht nur eine Nummer.

Deshalb sollte der Spital mit Bedacht gewählt werden. Im kleinen Haus bin ich eine Persönlichkeit die einen Abdruck hinterlässt, im grossen Haus wird mein Abdruck gleich von der nächsten Frau überdeckt. Dies passiert auch mit dem Neugeborenen.

Manchmal ist es sinnvoll sich von den Regeln leiten zu lassen. ,Aber wie kann eine Geburt, eine Frau ein Baby in eine Norm gepresst werden - hier finde ich Individualität viel wichtiger!

Samstag, 23. März 2013

Wunde schmerzhafte Brustwarzen

Immer wieder treffe ich auf Frauen mit wunden schmerzenden oft blutigen Brustwarzen. Die Stillberaterinnen empfehlen dann abzupumpen und eine Stillpause einzulegen. Die Pumpen sind leider genormt und passen nicht für jede Frau und jede Brustform. Oft kommt beim Pumpen weniger Milch raus wie das Baby mit Saugen schaffen würde. Manchmal entsteht durchs Pumpen sogar ein Stau genau da wo der Trichter der Pumpe einschneidet.

Mit einem Saughütchen habe ich die aller besten Erfahrungen gemacht. Die Mama kann weiter Stillen, es schmerzt nicht mehr und das Baby bekommt weiterhin die Muttermilch in engem Kontakt mit der Mami. Auch gibt es weniger Stau durch die Hütchen wie durch eine Pumpe. Leider leider hat die Industrie in den letzten Jahren auch da eine falsche Entwicklung gemacht. Die Stillhütchen sind immer kleiner geworden, so dass eine Frau bei der die Milchseen weit innen sind, das Hütchen kaum noch passt. Jede Frau muss eine grösse "L" kaufen, Grösse "M" und "S" sind für alle zu klein. Das Baby macht auch keinen Kussmund wenn es trinkt sondern sollte den Mund weit aufsperren und die Lippen nach aussen stülpen damit es an die süsse warme Milch kommt.

Stillhütchen sollten, wenn die Brustwarzen wieder ganz verheilt sind nach und nach abgesetzt werden weil der Hautkontakt Mund und Brustwarze fehlt, auch ist die Milchstimulation ein bisschen weniger stark wie beim Stillen ohne Hütchen. Aber es ist allemal besser wie eine Pumpe und dann die Flasche, zeiteinsparender und mehr Körperkontakt.

Freitag, 15. März 2013

Muttersein und schlechtes Gewissen

Ich weiss nicht ob mit dem Muttersein auch gleich das schlechte Gewissen aufkommt. Das fängt bereits in der Schwangerschaft an, wenn die werdende Mutter mal zu laute Musik hört oder etwas trinkt oder isst das nicht so gesund ist.

Aber nach der Geburt geht es erst richtig los: Wenn zu viel Besuch da ist, wenn die Eltern zu lange unterwegs sind. Wenn das Baby Bauchweh hat, dann überlegt sich die Mama was sie gegessen hat und  schwups, plagt sie ihr Gewissen. Aber auch wenn das Baby nicht schläft ist es oft so, dass die Mama bei sich einen Fehler sucht. Dies ist auch der Fall wenn es noch nicht den Kopf halten kann oder es sich noch nicht dreht, wie das Nachbarskind. Immer wieder kommen Zweifel auf.

Wenn dann der erste Arbeitstag ansteht und das Baby bei der Krippe abgegeben wird. Oder wenn es das erste Mal den Schoppen nehmen soll, wenn es im Kindergarten am Montagmorgen müde erscheint oder in der Schule schlecht ist weil ....    

Willkommen im Club des schlechten Gewissens und wie war das eigentlich bei unseren Eltern?

Mittwoch, 6. März 2013

Zitat

Sois sage, ô ma douleur, et tiens-toi plus tranquille.
Charles Baudelaire

Sei vernünftig, oh mein Schmerz, und verhalte
dich ruhiger.

Ist dies wohl für gebärende Frauen geschrieben?

Sonntag, 3. Februar 2013

Dammverletzungen

Während der Geburt wird der Damm (die Region zwischen Vagina und After) sehr stark gedehnt. Es ist möglich, dass es unter der Geburt zu kleinen Verletzungen kommt. Wird in der heiklen Phase wenn das Köpfchen die Haut extrem ausdehnt diese Region berührt, kann es deshalb schon zu einer Verletzung (Riss) kommen. Manchmal genügt nur die Dehnung und es reisst. Oft (leider) wird nach Schema, geschnitten.

Habt ihr schon mal ein Tier gleich nach der Geburt gesehen? Während einiger Stunden ist die Vulva extrem stark geschwollen. Genauso ist es auch bei den Frauen. Aber hier wird sofort nach der Geburt genäht, das angeschwollene Gewebe sieht aus wie eine aufgeschnittene Mango. Es ist extrem Schwierig sich da zu orientieren. Aber nach ein paar Stunden, wenn das Gewebe wieder abgeschwollen ist, wäre es viel leichter. Dann würde es vermutlich viel schönere Damm-Nähte geben. Vielleicht gäbe es dann weniger oft unsymetrische Scheideneingänge, bestimmt auch weniger Schmerzen, weil es zu weniger Oedemen käme. Nur der Spitalablauf müsste geändert werden. Aber es ist einfach praktischer für einen Arzt, der extra zur Geburt vorbei kommt, alles im gleichen Ablauf zu erledigen.